Von Robert Lessmann
Hans Bogenreiter: Explodierende Bäume & Waldmenschen. Eine Recherche vom Wienerwald bis zum Amazonas
Buchschmiede, 2025, € 19,50, 144 Seiten
Der Titel ist erklärungsbedürftig. Er lehnt sich an Donald Trump an, der Österreich dereinst im September 2020 als Waldnation mit Waldstädten, Waldmenschen und explodierenden Bäumen bezeichnet haben soll. Dem wollte der Autor auf den Grund gehen, denn er ist neugierig und hat Humor. Dazu schlüpfte er in die Rolle des recherchierenden „Gump“ – halb in Anlehnung an den etwas naiven Forrest Gump, halb Verballhornung von Trump. Immerhin hatte Letzterer Österreich nicht unter die „shithole countries“ eingereiht. Um vielfach Miss- oder Verachtete geht es aber in diesem Buch.

Dass Hans Bogenreiter Humor hat, merkt man dabei in Text und Bild. Er hat sich aber auch ein Leben lang für die Marginalisierten eingesetzt, die an den Rand Gedrängten, die „Verdammten dieser Erde“, wie Frantz Fanon sagte, der große Psychiater und Vordenker der Entkolonialisierung, der im Juli 100 Jahre alt geworden wäre: zunächst bei einer Menschenrechtsorganisation, die sich besonders für Indigene einsetzte, dann als Mitarbeiter der Wiener Stadtzeitung „Augustin“, die nach eigener Darstellung für den Ausbruch von Menschen – Obdachlose, Langzeitarbeitslose, Asylwerber:innen – aus der Entmündigung eintritt. Und so verknüpft Bogenreiter Wissen- oder Bemerkenswertes und Skurriles aus beiden Welten, jener der indigenen Völker des globalen Südens und jener der Unterprivilegierten des urbanen Wien. Da stößt „Gump“ in der Wiener Lobau auf eine Delegation der Zapatistas. Da werden viele Ideen zur Stadtbegrünung, Architektur oder zu einer nachhaltigen Produktion gesunder Lebensmittel vorgestellt, die von indigenem Wissen inspiriert sind. Da erfährt man von sehr lebendigen Nachfahren längst „ausgerottet“ geglaubter Völker, der Selk’nam und der Yamana Patagoniens.
Der Versuch einer Zusammenführung von Indigenen und Stadtindianern? Dem selbstironischen „Gump“ würde diese Charakterisierung wohl zu weit gehen. Er gibt mit seinen Fundsachen und Analogien aus Peripherien und Metropolen Denkanstöße und Inspirationen. Denn, mit den Worten des chilenischen Illustrators Rodrigo Elgueta: „Die große Lektion für das 21. Jahrhundert ist der Dialog mit den indigenen Gemeinschaften. Wenn wir unsere Beziehung zur Natur nicht überdenken, werden wir nicht überleben.“ Ein außergewöhnliches Buch, das auch direkt über den Autor bezogen werden kann: taotan@gmx.at








