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Lateinamerika-Institut gerettet

von Ralf Leonhard

Mit einer freundlichen Übernahme durch die Wiener Volkshochschulen (VHS) ab 1. Juli ist das Weiterbestehen des Österreichischen Lateinamerika-Instituts gesichert. Nach einem turbulenten Jahr, in dem die Corona-Krise nur mehr das Sahnehäubchen der Kalamitäten bildete, wurde eine für alle Beteiligten erfreuliche Lösung gefunden. Trotz nur geringer Verschuldung hätte das LAI am 30. Juni sonst zusperren müssen.

„Als Wiener Volkshochschulen war es uns ein Anliegen, diese traditionsreiche Einrichtung, die ein wichtiger Faktor in der Bildungslandschaft in dieser Stadt ist, beim Fortbestand zu unterstützen“, sagte  VHS-Geschäftsführer Herbert Schweiger bei einer Pressekonferenz am 30. Juni. „Als spezialisierte Einrichtung der Wiener Volkshochschulen kann das LAI in Zukunft sein Programm weiterführen und dabei wertvolle Synergien mit der VHS nutzen“. Mit anderen Worten: das LAI kann seinen Standort und seine Corporate Identity beibehalten, sämtliche Sprachlehrerinnen und -lehrer sowie der Großteil des Verwaltungspersonals werden übernommen. LAI-Direktorin Andrea Eberl zeigte sich erleichtert, dass diese „wichtige Anlaufstelle für mehr als 8.700 Latin@s in Wien und für alle Österreicher*innen, die lateinamerikanische Kunst, Kultur und Sprachen lieben“ erhalten bleibt.

Das LAI wurde 1965 als Erwachsenenbildungseinrichtung gegründet und ist mit seinem Fokus auf Lateinamerika mit keiner anderen Institution in Österreich vergleichbar. Andrea Eberl spricht von einem “Brückenbauer zwischen Lateinamerika, Österreich und der EU. Darüber hinaus leistet das LAI einen wichtigen Beitrag zur sogenannten Third Mission, um wissenschaftliche Erkenntnisse zu aktuellen Trends und Entwicklungen aus der Region in Wien und darüber hinaus zu verbreiten“.

Nach der Insolvenzeröffnung im Jänner 2020 hatten mehr als 2000 Personen einen Appell zur Rettung des LAI unterzeichnet. Eine Spendenkampagne unterstützte die kurzfristige Zielsetzung, den Betrieb bis zum Sommer zu garantieren und damit die Suche nach einer Lösung zu ermöglichen. Das Angebot zur Fusion ging letzten Ende von den VHS aus. Deren Aufsichtsrat gab dem Vorhaben Anfang Juni einstimmig grünes Licht.

Lateinamerika-Institut gerettet

Im Verband der VHS wird das LAI neben anderen speziellen Einrichtungen wie dem Jüdischen Institut für Erwachsenenbildung oder der Urania und der Sternwarte einen Sonderstatus genießen. Schweiger sieht keine Notwendigkeit, das Angebot an einschlägigen Sprachkursen seiner Bezirksniederlassungen zu reduzieren. Dass ausgerechnet die VHS Alsergrund in unmittelbarer Nähe des LAI die bestbesuchten Spanischkurse hatte, ist für ihn ein Beweis, dass es kein Konkurrenzverhältnis gibt. Durch den Fokus auf lateinamerikanisches Spanisch und brasilianisches Portugiesisch sieht Eberl auch ein Alleinstellungsmerkmal des LAI.

Auch der neben dem LAI gelegene Europasaal, der zuletzt vom Eigentümer gekündigt wurde, wird nun als Veranstaltungslokal erhalten bleiben. Die Webseite www.lai.at wird in die VHS-Domain übernommen. Der Verein „Österreichisches Lateinamerika-Institut“ wurde in einen ehrenamtlichen Förderverein überführt. Als ersten Modernisierungsschritt hat die VHS das LAI flächendeckend mit W-LAN ausgestattet.