editorial

Es lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob sich der verheerende Erdrutsch in der guatemaltekischen Ortschaft El Cambray mit fast 300 Todesopfern (auch) auf den Klimawandel zurückführen lässt. Unbestreitbar ist dieser Zusammenhang aber für die Zunahme extremer Wetterereignisse auf dem Subkontinent in den letzten Jahrzehnten. Auch die gestiegene Häufigkeit und Intensität des Wetterphänomens El Niño, das in wenigen Monaten seinen Höhepunkt erreichen wird und enorme Zerstörungen mit sich zu bringen droht, wird dem Klimawandel zugeschrieben.

Wenige Wochen vor der vielfach als entscheidend eingeschätzten UN-Klimakonferenz in Paris wirft der Schwerpunkt dieses Heftes einige Schlaglichter darauf, wie sich der Klimawandel auf den lateinamerikanischen Kontinent, der historisch kaum zu seinen Ursachen beigetragen hat, auswirkt. Jürgen Kreuzroither bietet einen Überblick, Peter Gärtner beschreibt die prekäre Lage Zentralamerikas. Magdalena Heuwieser setzt sich kritisch mit dem REDD-Programm auseinander, das einerseits Zahlungen für Waldschutz vorsieht, im Gegenzug aber fortgesetzte CO2-Emissionen zulässt. Es ist zu befürchten, dass solche Mechanismen der finanziellen Kompensation durch die Pariser Konferenz weiter gestärkt werden. Den Schwerpunkt ergänzen Beispiele über den Widerstand indigener und sozialer Bewegungen gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen durch Megaprojekte, auch im Bereich der alternativen Energie.

Bis Anfang Oktober haben 119 Staaten Zusagen für die freiwillige Senkung ihrer Emissionen bis 2030 vorgelegt, doch laufen diese auf einen Temperaturanstieg von drei Grad bis zum Jahrhundertende hinaus, statt dem Ziel von höchstens zwei Grad Celsius, auf das sich die internationale Gemeinschaft geeinigt hat. Auch wenn ein dramatisches Scheitern der Pariser Konferenz – wie jener von Kopenhagen – vermieden werden kann, liegt die größere Hoffnung, die Klimakatastrophe noch abzuwenden, in den vielen ökologischen und indigenen Bewegungen in aller Welt, auch wenn ihr Widerstand oft als „Kampf gegen Windmühlen“ belächelt wird.

Hermann Klosius