editorial

Menschenrechte – nach den vielerorts aufpoppenden Autokraten (das -Innen können wir hier getrost auslassen) werden aktuell auch westliche PolitikerInnen diesbezüglich zunehmend schmallippig – nicht ohne Grund. Auch Lateinamerika ist, was das politische Spitzenpersonal angeht, von diesem Backlash nicht ausgenommen, doch zur gleichen Zeit kommen vom Subkontinent wichtige Impulse Richtung Weiterentwicklung und Erweiterung dieses grundlegenden Konzepts.

Leo Gabriel berührt letzteren Aspekt schon im einleitenden Überblick, während Manfred Nowak das Jubiläum 40 Jahre Interamerikanischer Gerichtshof für Menschenrechte zum Anlass nimmt, diesen nicht auf allen Kontinenten bestehenden, regionalen Schutzmechanismus kritisch zu würdigen. Der Erweiterung des Grundrechtsbegriffs widmen sich dann explizit Carla Weinzierl (menschenrechtliche Verpflichtungen für Konzerne), Alberto Acosta (Rechte der Natur) sowie Ralf Leonhard, der beschreibt, wie der zunehmenden Gefährdung von Umweltaktivisten mittels eines Regionalabkommens begegnet werden soll. In einem weiteren Beitrag über indigene Rechte verdeutlicht er allerdings auch, dass solche Texte bestenfalls ein Etappenziel sein können. Mit in Summe zehn Beiträgen ist der vorliegende Schwerpunkt jedenfalls ein besonders „dicker Fisch“ geworden.

Der aktuelle Teil weist quasi einen zweiten Schwerpunkt zu Nicaragua auf – aus leider traurigem Anlass. Unter den Texten darf natürlich einer zu Brasilien vor den Bundes- und Präsidentschaftswahlen nicht fehlen. Silvia Jura musste ihn wegen sich überschlagender Ereignisse gleich mehrmals überarbeiten. Wenn Sie dieses – wegen technischer Probleme mit Verspätung erscheinende – Heft in Händen halten, dürfte der Rechtsextremist Bolsonaro nach dem erlittenen Messerattentat die erste Runde am 7. Oktober mit relativer Mehrheit für sich entschieden haben. Spannend bleibt, ob PT-Kandidat Fernando Haddad nach dem späten Ausschluss von Lula noch genügend Stimmen von diesem übernehmen kann, um einen „Trump der Tropen“ in der Stichwahl zu verhindern.

Jürgen Kreuzroither