editorial

Glaubt man den großen deutschsprachigen Zeitungen, so war die Pressefreiheit in Lateinamerika mit Fortdauer der „progressiven“ Regierungen zunehmend gefährdet. Hiesige Zeitungsredaktionen befanden Regula - tionsbemühungen schnell als verdächtig und folgten damit ungeschaut ihren etablierten KollegInnen. Bei näherem Hinsehen hätte man feststellen können, dass es sich oftmals um einen gesetzlichen Nachholprozess handelte, sprich, dass Regelungen geschaffen wurden, die in Europa selbstverständlich sind. Und man hätte auch sehen können, wessen Interesse der vorherige Zustand beförderte: jene der Medienkonzerne, die nach dem Recht der Stärkeren ihre Marktstellung ungehindert auszubauen trachten. Die Omnipräsenz solcher „Medien-Kraken“ trifft auch für Lateinamerika zu. Die drei größten davon werden im ersten Beitrag vorgestellt.

Heute lässt sich rückschauend konstatieren, dass die Bemühungen diverser linker Regierungen für mehr Medienvielfalt nicht nennenswert erfolgreich waren. Die privaten Medienkartelle sind jedenfalls weiter gewachsen und haben sich meist als mächtige Gegenspieler betätigt, wenn die neuen Regierungen den Washingtoner Konsens aufzuweichen versuchten. Sie wurden so ungeniert für die Interessen ihrer Eigentümer eingesetzt.

Inzwischen haben sich die politischen Vorzeichen großteils geändert: Meike Bischoff schildert, wie die Medienpolitik Macris der Alternativszene in Argentinien zusetzt. Langjährige alternative Angebote gibt es über den ganzen Subkontinent gestreut. Eines der bekanntesten ist die Zeitung La Jornada, die weit über die mexikanischen Grenzen hinaus geschätzt wird, aber dem Vernehmen nach aktuell von finanziellen Existenzsorgen bedroht ist. Dass die alternative Medienlandschaft auch Lateinamerikas schon einmal sorgenfreier in Zukunft geblickt hat, zeichnet Leo Gabriel in seinem Beitrag nach.

Neben dem Schwerpunkt bietet das Heft die gewohnte Übersicht zu einer Reihe aktueller Themen sowie kubanische Reiseimpressionen.

Eine anregende Lektüre wünscht Jürgen Kreuzroither.