editorial

Woran denken Sie, wenn von der „Karibik“ die Rede ist? An Urlaub am Strand? Steueroasen? Piraten? Zugegeben, auch wir sind nicht frei von Klischees, aber „Karibik“ assoziieren wir Redaktionsmitglieder auch mit einem Manko von lateinamerika anders: Abgesehen von Kuba kann unsere Berichterstattung über die Inselwelt zwischen den beiden Festlandamerikas nur als kursorisch bezeichnet werden. Abhilfe wollen wir mit der vorliegenden Ausgabe schaffen. Viktor Sukup gibt einen Überblick zur Vielfalt der Region, die nicht zuletzt aus einer bewegten Geschichte heraus entstanden ist. „Unser Mann in Brüssel“ war bis vor kurzem in der EU-Kommission u. a. für Karibik-Belange zuständig.

Kuba darf natürlich nicht fehlen, zumal sich einiges tut in Sachen Wirtschaftsreformen und Beziehungen zu den USA. Selten beleuchtet haben wir dagegen die Situation in Puerto Rico mit seiner Unabhängigkeitsbewegung und auch Haiti und die Dominikanische Republik hatten wir schon länger nicht mehr auf dem Radar. Werner Zips steuert einen anspruchsvollen Artikel zu problematischen Tendenzen im Reggae und aktuellen Gegenbewegungen bei.

Auch der aktuelle Teil kann – neben Berichten zu El Salvador, Brasilien und Kolumbien – mit eher seltenen Berichtsthemen aufwarten: Rita Hartleb untersucht den Stand der Biolandwirtschaft in Nicaragua, die Lateinamerika Nachrichten haben uns einen Bericht zur Lage im restaurierten Paraguay zur Verfügung gestellt und Gustavo T. Cisneros gibt einen Einblick in das mühsame Einbringen indigener Anliegen auf UN-Ebene. Ein subkontinentaler Überblick von Nela Perle zur prekären Rechtslage bei Schwangerschaftsabbrüchen mag bei LeserInnen die Frage auslösen, aus welchem Jahrhundert da berichtet wird – es ist leider das 21.

Wenig Anlass zu Optimismus geben schließlich die Entwicklungen nach dem Verschwinden der 43 StudentInnen von Ayotzinapa (Mexiko). Immerhin fordert die mexikanische Protestbewegung den Staat in nie gekanntem Ausmaß heraus und die internationale Solidarität ist beständig. So wurden Mitglieder unserer Redaktion am vergangenen 26. März ZeugInnen einer bewegenden Kundgebung im Alten AKH in Wien.

Eine anregende Lektüre wünscht Jürgen Kreuzroither.