editorial

In der ersten Phase der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 war Lateinamerika vergleichsweise weniger betroffen als andere Regionen der Zentren und der Peripherien. Von der aktuellen globalen Krise, unter der vor allem die aufstrebenden Schwellenländer des Südens leiden, sind die verschiedenen Regionen des lateinamerikanischen Subkontinents unterschiedlich stark erfasst. Die unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen haben auch verschiedene Krisendynamiken zur Folge. Am meisten betroffen davon sind jene Länder, die stark von Rohstoffexporten abhängig sind, während Staaten wie Uruguay und Brasilien, die sich auf die Stärkung der Binnennachfrage und der Binnenwirtschaft orientierten, weniger krisenanfällig sind.

Einen Sonderfall nimmt die Entwicklung in Venezuela ein, wo trotz der Petro-Milliarden und eines breiten staatlichen Wirtschaftssektors die Wirtschaftslage die schlechteste des gesamten Subkontinents ist. Nicht zuletzt deshalb – aber natürlich auch wegen der gewaltsamen Konflikte der letzten Wochen – titelt unser entsprechender Beitrag in diesem Heft mit der Frage „Was ist los in Venezuela?“. Einen weiteren, wenn auch anders gelagerten Sonderfall stellt Kuba dar: Auf der kommunistischen Antilleninsel öffnet sich die Wirtschaft gegenüber den nichtstaatlichen Sektoren, in denen in den nächsten Jahren an die eineinhalb Millionen Menschen Arbeit finden sollen, und wo die Regierung mittelfristig die Zweiteilung der Währung in einen „einheimischen“ Peso und einen an den US-Dollar angepassten „konvertiblen“ Peso aufheben will. Die verhängnisvollen Auswirkungen des – auch unter Präsident Obama gleichermaßen fortgesetzten – Wirtschaftsembargos belasten die kubanische Ökonomie allerdings weiterhin sehr stark. Das Entwicklungspotenzial der kubanischen Wirtschaft skizziert im Gespräch mit Leo Gabriel Juan Carlos Marsán, seit drei Jahren Botschafter Kubas in Österreich.

Schlussredaktion dieser Ausgabe: Nela Perle und Werner Hörtner