editorial

Migration, Aus- und Einwanderung, hat die Geschichte Lateinamerikas geprägt, seit die Europäer vor 500 Jahren begannen, das Territorium und dessen Bodenschätze für sich zu beanspruchen. Menschen aus Europa kamen als Konquistadoren und Siedler, Männer und Frauen aus Afrika verschleppt als Arbeitssklaven, Menschen aus Asien auf der Suche nach Lohnarbeit. Die jungen Republiken öffneten im 19. und 20. Jahrhundert ihre Grenzen für Weiße, die „die Rasse verbessern“ sollten. Die damals prosperierenden Staaten des Cono Sur zogen lange Zeit Armutsmigranten, vor allem aus Südeuropa, an. Unter der politischen Verfolgung der Diktaturen und dem Druck einer langen Krise drehten die Migrationsströme dann und Lateinamerika wurde ein Subkontinent der Flucht und Auswanderung. Aber seit einigen Jahren ziehen die Länder südlich des Río Grande neuerlich Einwanderer aus Europa und sogar den USA an. Sie sind politisch wie ökonomisch stabiler geworden, während es in den Industriestaaten kriselt. Wird in unseren Ländern der Zuzug von Fremden gemeinhin als Bedrohung dargestellt und von vielen auch so empfunden, so versuchen wir im Schwerpunkt dieser Nummer, das Phänomen Migration wertfrei und von verschiedenen Blickwinkeln zu beschreiben.

Mit dem neuen Jahr gibt es eine auffällige Neuerung bei Lateinamerika anders. Im 38. Jahr unseres Erscheinens haben wir uns zu einer – wie man im Wirtschaftsleben sagen würde – strategischen Partnerschaft entschlossen. Gemeinsam mit der deutschen Monatszeitung SOZ bemühen wir uns um neue Leserinnen und Leser außerhalb des Spezialistenkreises.* Wir erhoffen uns davon die Stabilisierung unserer seit Jahren prekären wirtschaftlichen Basis. Obwohl die Redaktionsarbeit ehrenamtlich geleistet wird, halten die Einnahmen nicht mit den Produktionskosten Schritt.

Neu ist auch, dass wir begonnen haben, unsere Homepage www.lateinamerika-anders.org mit neuem Leben zu erfüllen. Wir haben uns vorgenommen, sie regelmäßig mit neuen Inhalten und ausgesuchten Artikeln aus der jeweils neuen Nummer zu aktualisieren und interessant zu halten.

Ralf Leonhard, Schlussredakteur * Die SOZ 1/14 liegt dieser Ausgabe bei.